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Boulderschuhe — für Ein- und Aufsteiger/-innen, Profis und Technikerinnen

Als ich vor einigen Jahren als blutige Anfängerin (wortwörtlich — geliehene Schuhe sind Mist) im Fachhandel für Outdoor und Kletterei stand und nach Boulderschuhen fragte, hatte der Verkäufer eine klare Antwort: Zu eng und wenigstens zwei Nummern kleiner als die Straßenschuhe sollten sie sein. Zum Glück haben meine Füße protestiert, ich klettere bis heute in Schuhen der gleichen Größe beziehungsweise mit einer größeren Größe als die Straßenschuhe … Aber es gibt tatsächlich ein paar Dinge, die Du beim Kauf Deiner Boulderschuhe beachten solltest.

Die folgende Infografik gibt einen erste Überblick zu dem Thema Boulderschuhe kaufen und weiter unten findest du ausführlichere Infos zu den einzelnen Punkten.

Boulderschuhe Kaufberatung Infografik

Was muss man bei Boulderschuhen beachten?

Boulderschuhe müssen passen, angenehm sitzen und dürfen nirgends drücken. Außerdem sollten sie Deinen Fuß schützen und in manchen Situationen auch stützen. Die Sohle braucht ordentlich Reibung und eine saubere Kante, weil Du so besser klettern kannst. Und alles übrige ist Geschmacksache.

Boulderschuhe und Preise

Blödes Thema, über Geld redet man nicht. Tatsache ist aber, dass es auch gute günstige Boulderschuhe gibt (für Erwachsene ab etwa 40 EUR), und das es teure Schuhe gibt, die Mist sind. Ein hoher Preis, eine schicke Internetseite und tolle Sprüche sagen nichts über ein wirklich gutes Produkt aus. Boulderschuhe musst Du grundsätzlich anprobieren und Zweifelsfall eben das Rückgaberecht nutzen.

Wie eng sollen Boulderschuhe sein?

Der Profi mit den blutigen Zehen rät natürlich zu Schuhen, die furchtbar eng sind. Kann man machen, ist der nicht zielführend. Enge Boulderschuhe übernehmen die Arbeit der Fußmuskulatur und versteifen alles zwischen Knöchel und Zehenspitze. Das soll Dir mehr Halt geben, so dass Du auch flache Tritte noch gut stehen kannst. Aber wie sinnvoll ist das?

Du treibst Sport, der Deinen Körper fit und gesund halten soll, willst aber Deiner Muskulatur gleichzeitig die Arbeit abnehmen? Boulderschuhe müssen so eng sitzen, dass sie Dir technisch alles erlauben, was Du kannst. Sie dürfen Dir aber nicht die Arbeit abnehmen.


Boulderschuhe besser entspannt als mit Vorspannung

Vorspannung sollte man nicht mit dem Downturn verwechseln. Die meisten Leute meinen, die stark durchgebogene Form der Sohle sei die Vorspannung. Das ist aber nicht korrekt. Als Vorspannung bezeichnet man, wenn die Sohle über einen Gummizug an der Ferse auf Spannung gehalten wird. Das geht mit einer besseren Passform einher, der Schuh sitzt wirklich eng am Fuß. Wer gerne mit einem Fersenhook arbeitet, weiß das zu schätzen.

Beim Laufen auf der Matte schmerzt das an der Achillessehne. Denn bei diesen Schuhen ist das Sohlengummi über die Ferse nach oben gezogen, der Schuh ist an dieser Stelle sehr steif. Angenehm, weil es bei den Hooks, die empfindlichen Fußteile schützt, unangenehm für alle, die das nicht brauchen. Für Anfänger lieber einen entspannten Schuh, würde ich sagen.


Downturn muss bei Boulderschuhen nicht sein

Boulderschuhe
Der Begriff Downturn ist eben schon gefallen: Viele Hersteller haben Boulderschuhe mit einer extrem stark aufgebogenen Sohle im Angebot. Diese Schuhe sitzen enger auf der Fußsohle, sind aber auch unbequemer zu tragen.

Anfänger brauchen das gar nicht, und inwieweit der erfahrene Boulderer seine Leistung mit Fußweh bezahlen will, muss er oder sie immer selbst entscheiden. Ich komme seit vielen Jahren sehr gut mit einer ganz leichten Vorspannung und einem Paar Schuhe ganz ohne Verspannung aus. Mein Partner ebenfalls. Der Downturn ist kein Muss.


Welches Obermaterial für die Boulderschuhe? Hat alles Vor- und Nachteile

Kletterschuhe und Boulderschuhe gibt es aus zwei Materialien: Synthetischen Textilfasern und Leder. Leder ist fein, denn das atmet, nimmt nicht so schnell den Geruch von alten Turnmatten an und fühlt sich weich und geschmeidig an am Fuß. Der Nachteil liegt darin, dass der Schuh nicht nass werden sollte und dass er mit der Zeit etwas weiter wird. Denn Leder ist als organisches Material flexibel und gibt nach.

Synthetische Materialien tun das teilweise auch, abhängig von der genauen Materialmischung. Boulderschuhe aus Kunstfasern können nass gereinigt werden, dürfen beim Deep Water Soloing dabei sein und auch mal in die Pfütze fallen. Ist also etwas entspannter.


Welches Innenfutter soll der Boulderschuh haben? Vor- und Nachteile der Materialien

Boulderschuhe aus Leder haben oft gar kein Innenfutter, bei den anderen variieren die Materialien. Ich mag es, wenn innen ein bisschen Mesh ist. Denn dann atmet der Fuß leichter, der Schuh nimmt nicht so schnell Geruch an. Da ich meine Boulderschuhe nach jedem Einsatz mit Soda ausstreue, bleibt immer ein wenig davon im Mesh hängen. Soda (Natron) wirkt antibakteriell, dient also der Fußhygiene. Das ist wichtig, denn Boulderschuhe werden oft ohne Socken getragen.

Vegane Boulderschuhe?

Wenn Hersteller mit dem Zusatz „vegan“ werben, bedeutet das nur, dass die Schuhe kein Leder enthalten. Ob man lieber tote Tierhaut am Fuß trägt oder ein Erdölprodukt (Plastik), muss man selbst entscheiden. Ich habe die Vorzüge von Leder auf der Haut zu schätzen gelernt, denn da entwickeln sich nur wenige Blasen und Schwielen, es gibt kaum Druckstellen, nichts reibt. Vegane Schuhe sind dafür leichter zu pflegen.


Welche Passform sollten Boulderschuhe haben?

Ganz ehrlich? Die, die Dir am besten zusagt. Es gibt keine universelle Lösung, weil jeder Fuß ein bisschen anders geformt ist. Du sollst mit den Boulderschuhen Felsen und Wände hochgehen, und zwar besser nicht vor Schmerzen. Also bist Du Experte dafür, welche Passform Deinen Füßen gut tut und Dich in Deiner Leistungsfähigkeit nicht einschränkt. Mehr gibt es zu dem Thema eigentlich nicht zu sagen. Kurz zusammengefasst heißt gute Passform:

  • Dass Du keine Druckstellen an den Füßen bekommst.
  • Dass Deine Füße sich in ihrer natürlichen Form wohlfühlen und nicht in komische Positionen gepresst werden.
  • Dass Du wenigstens zehn Paar Schuhe anprobiert hast, damit im Laden oder in der Halle probegeklettert bist und die Unterschiede bemerkt hast.

Boulderschuhe für entspannte Routen, für technische Herausforderungen und dann auch noch wasserfest

Ein Schuh für Anfänger darf etwas lockerer sitzen, darf weicher sein, ohne Downturn und Vorspannung daherkommen. Das ist entspannt und tut den Füßen wohl. Wer auf Leistung boulder und vielleicht auch an Wettkämpfen teilnimmt, sollte dann schon eher auf die technischen Details achten. Und wenn die Boulderschuhe im Felsen genutzt werden sollen, müssen sie Wasser vertragen. Denn dort ist es nicht immer ganz trocken.


Boulderschuhe haben eine Anziehschlaufe. Manchmal.

Okay, Klettschuhe und Slipper haben die immer. Sonst würdest Du da gar nicht richtig reinkommen. Schnürschuhe kommen aber oft ohne aus, und sie benötigen die Schlaufe auch nicht wirklich. Ich mag die kleinen Anhängsel hinten an der Ferse trotzdem. Denn ich hänge die Schuhe daran mit einem Karabiner auf: unterwegs außen an die Bouldertasche, zu Hause auf den Balkon zum Lüften. Ob das im Sinne der Hersteller ist, weiß ich allerdings nicht.


Klettverschluss oder Schnürung? Kommt auf das Einsatzgebiet der Boulderschuhe an.

Schnürschuhe sind toll, weil Du die wirklich Deiner Fußform anpassen kannst. Die Schnürung kannst Du vorne eng ziehen, in der Mitte weit lasen und oben wieder anziehen. Oder umgekehrt. La Sportiva hat mit dem Mythos* einen Schuh im Sortiment, der über die Schnürung sogar die Weite am Knöchel regulieren lässt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Mythos ist eigentlich kein Boulderschuh, sondern ein Kletterschuh. Er sitzt aber so toll am Fuß, dass man immer wieder Boulderer mit diesem Schuh erwischt. Schnürschuhe sitzen normalerweise so gut, dass Toe Hooks und Fersenhooks kein Problem sind. Nachteil: Du musst wirklich oft binden. Denn Boulderschuhe trägst Du nur beim Bouldern, nicht in den Pausen. Sagen die Profis — das sind die Leute mit den unbequemen, schmerzenden Schuhen.

Velcros oder Klettschuhe sind schnell an- und ausgezogen, sitzen meist ebenfalls gut am Fuß und können bei guter Passform auch für Hooks taugen. Können, nicht müssen. So mancher Boulderer hat sich schon aus dem Dach fallen lassen, weil ihm plötzlich der Schuh abhanden gekommen ist …

Slipper kann ich nicht wirklich empfehlen. Die Schlappen sitzen einfach zu locker, und sie sind auch nicht angenehm zu tragen. Aber das ist meine persönliche Meinung. Ich habe, wie viele Frauen, die athletisch gebaut sind und viel barfuß gehen, sehr schmale und sehnige Füße. Ich verliere die meisten Slipper, die auf dem Markt sind, schon beim normalen Laufen. An sinnvolles Klettern brauche ich gar nicht zu denken.

Wer etwas breitere Füße hat, ohnehin nicht hookt und auf die schnelle Nummer (Nur auf das Anziehen bezogen, ehrlich!) steht, der mag mit Slippern auch gut auskommen. Allerdings gehört etwas Akrobatik dazu, in einen einigermaßen eng sitzenden Slipper zu schlüpfen.


Sohle und Zwischensohle: Aufbau guter Boulderschuhe

Boulderschuhe haben eine Außensohle und eine Zwischensohle. Die Außensohle ist aus hartem Gummi, das einerseits die Füße schützt, andererseits viel Grip bietet. Das liegt nun nicht so angenehm auf der Haut, daher haben die meisten Hersteller dem Schuh eine angenehmer zu tragende Innensohle verpasst. Trotzdem: Ein guter, harter Schuh wird durch die elastische Innensohle nicht feinfühliger. Beim Boulderschuh muss man Kompromisse eingehen.


Welches Gewicht dürfen Boulderschuhe haben?

Das Gewicht des Schuhs hängt vom Material ab. Ein robuster Schuh mit fester, dicker Sohle hält länger, wiegt aber auch mehr. Ein Slipper mit dünnerer Sohle ist feinfühliger, leichter und schneller kaputt. Leder ist normalerweise schwerer als Kunstfaser, und zusätzliches Innenfutter bringt Gewicht mit … Aber mal ehrlich: 100 g mehr oder weniger drücken die Performance nicht wirklich.


Was sind asymmetrische Leisten? (Brauchen Boulderschuhe das?)

Asymmetrische Leisten bedeutet, dass der Boulderschuh keinen symmetrischen Schnitt hat. Das kann die Leistung pushen, kann aber auch fürchterlich weh tun. Wer schon viel Erfahrung an der Boulderwand hat und Wert darauf legt, kann das vielleicht sogar gebrauchen. Anfänger sollten eher keine asymmetrischen Schuhe nutzen, sondern erst einmal im Sport ankommen. Ich selbst komme auch nach mehr als fünf Jahren und mehreren Wettbewerben noch gut ohne aus.