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Klein und fein: Boulderschuhe für Kinder?

Boulderschuhe für Kinder

Ich will von Anfang an klarstellen, dass ich kein Fan von Leistungssport im Kindesalter bin. Kinder sollten sich natürlich und aus einer eigenen, intrinsischen Motivation heraus entwickeln. Für das Equipment bedeutet das: Schutz des Körpers ist okay, Leistungsförderung nur in gewissem Ausmaß. Ganz konkret im Fall Boulderschuhe für Kinder würde ich Kinder niemals in einen Schuh mit Downturn, asymmetrischem Schnitt und Vorspann stecken.

Auch wenn die Kinder das vielleicht wollen, weil sie merken, dass sie damit besser klettern. Wenn Kinder ein Hobby haben und Ehrgeiz entwickeln, bringen sie viele Stunden täglich damit zu. Ein High Performance Boulderschuh schadet aber der natürlichen Entwicklung der Füße. Die im folgenden Text vorgestellten Schuhe haben meine Töchter (seit fünf Jahren begeisterte Klettermaxis) selbst ausprobiert, so dass es ein authentischer Testbericht ist, der auf die Bedürfnisse von Kindern Rücksicht nimmt. Ehrgeizige Eltern oder Trainer mögen da nicht immer zustimmen. Damit kann ich leben.

Einstieg in kleinsten Größen: Mad Rock Mad Monkey 2.0 Boulderschuhe für Kinder

Zarte sechs Jahre alt, und der erste Kletterschuh soll her. Weil die geliebten Converse All Stars („Chucks“) in der Vertikalen dann doch nicht mehr das tun, was sie sollen, nämlich Halt geben. Wenn Kinder Spaß am Bouldern haben, stoßen die Schuhe schnell an ihre Grenzen. Der Mad Rock Mad Monkey 2.0* war seinerzeit der einzige Schuh, der auch in Größe 25 verfügbar war. Also hatten wir eigentlich gar keine Wahl.

Die Passform ist gut, die zierliche Athletin mit ihren griechischen Füßen (zweiter Zeh länger als der „große Onkel“) passten prima in die Schuhe. Der Mad Rock Mad Monkey in Rot sah auch auch noch extrem cool aus. Und der Schuh hat, was die Schuhe der Großen auch bieten: Minimaler Downturn, leichte Asymmetrie, auf Wunsch Vorspann.

Der breite Klettverschluss lässt sich perfekt anpassen, hinten an der Ferse sorgt ein kleiner Riemen mit Klettverschluss für Vorspann, wenn das gewünscht ist. Die Zehen sollten in dem Schuh leicht angezogen werden, was meiner Großen derzeit noch unangenehm war. Kurzum, der Schuh saß gut und wurde in der Halle mit Begeisterung getragen. Anfangs.


Offene Fersen, Druckstellen an den Zehen

Nach den ersten Ferientagen in der Kletterhalle passierte, was ich als Mutter schon ahnte: Das Kind hatte den Schuh nicht nur an der Wand an, sondern durchgehend. Und der Klettverschluss an der Ferse wurde ständig nachgezogen, wurde enger und enger. Das Kind kletterte besser und besser, hing im Dach, hookte. Und am Abend waren Schuh und Socken blutig. Denn der Riemen an der Ferse rutscht irgendwann vom Schuh, wenn er zu hart angezogen wird. Dann sitzt er auf der Socke oder direkt auf der Haut. Und dafür ist der harte Klettverschluss einfach nicht gemacht, die Tapete war ab.

Es folgten anderthalb Wochen Gejammer und Barfußgehen (toll in der Schule), danach war alles wieder heile. Und das Kind hatte gelernt: Tolle Kletterschuhe machen Fußweh. Das zweite Problem saß weiter vorne im Schuh. Meine Tochter trägt Socken beim Bouldern, weil sie sonst Wasser tritt.

Die Naht der Socken sitzt aber an den Zehen genau dort, wo der Schuh vernäht ist. Das gab natürlich Druckstellen. Die waren nicht so schlimm wie die offenen Fersen, aber trotzdem unangenehm. Die Boulderschuhe wurden trotzdem geliebt, denn irgendwie ging es ja doch, und bei zwei Stunden Bouldern am Stück richten sie keinen Schaden an.

Das hat dann Tochter Nummer zwei einige Jahre später mit dem gleichen Schuh bewiesen: Sie liebt es kurz und heftig, spult ein bis zwei Stunden lang ohne Pause ihre Routen und ist dann fertig. Dafür ist der Mad Rock Mad Monkey 2.0* perfekt. Denn die steife Sohle hält den Fuß auch dann noch auf dem Tritt, wenn die Muskulatur eigentlich schon aufgegeben hat.


Boulderschuhe für Kinder zum Zweiten: Edelrid Crocy

Der Edelrid Crocy* ist häufig in den Kletterhallen zu sehen. Der Schuh ist mit zwei etwas breiteren, unabhängigen Klettverschlüssen ausgestattet, die die Kinder auch selbst gut anpassen können. Minimale Vorspannung, kein Downturn, fast symmetrischer Schuh. Das textile Obermaterial ist weich und dehnbar, Gummieinsätze zwischen Ferse und Wölbung sorgen für einen strammen, aber flexiblen Sitz.

Die Schuhe waren für meine Große ein Traum, bequem und angenehm zu tragen. Auch stundenlanges Bouldern war schmerz- und verletzungsfrei möglich. Die Sohle bietet guten Grip, ist aber nur vorne an den Zehen wirklich hochgezogen. Für empfindliche Füße, die sich zudem lange am Stück im Schuh wohlfühlen sollen, ist der Edelrid Crocy* super geeignet.

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Fersenhook? Können Edelrid Boulderschuhe für Kinder nicht

Die meisten Kinder, die nur zum Spaß und außerhalb der Leistungsgruppen der Sportvereine boulder, hooken nicht. Die Technik gehört einfach nicht zum normalen Bewegungsrepertoire der Kinder. Deshalb ist der Schuh von Edelrid* völlig in Ordnung. Meine Tochter sah das allerdings anders und meinte, sie muss den Fersenhook vor allem in extremen Schrägen und im Dach einsetzen.

Der Edelrid Crocy macht das nicht mit, das Kind lag in Nullkommanix mit dem Rücken auf der Matte und sah extrem nach Maikäfer aus. Durch den Gummizug an den Seiten bietet der Schuh keinen Halt, vor allem bei etwas lascher Körperspannung (bei Kindern normal, die Bauchmuskeln können noch nicht bewusst eingesetzt werden) rutscht der Fuß aus dem Schuh.

Deshalb war der Edelrid Crocy bei der Großen dann doch nicht mehr so der Renner. Die Kleine hat den Schuh gut angenommen, sie hookt nicht und freut sich, dass der Edelrid einen Klettverschluss hinten weniger hat. Denn mit dem Fersendings kam sie beim Mad Rock Mad Monkey nicht so gut klar, den musste immer die Mama anziehen.


Weiche Boulderschuhe für Kinder mit raffiniertem Verschluss: La Sportiva Stick It!

Unser dritter Schuh, den bislang nur die Große getestet hat, ist der Stick It! von La Sportiva*. Die Boulderschuhe für Kinder sind weich und aus Leder, schützen den Fuß ganz prima und lassen sich dank einem sehr ausgefeilten Verschlusssystem toll anpassen. Denn La Sportiva hat dem Stick It! einen um die Ferse und im Zickzack über den Spann laufenden flachen Schnürsenkel verpasst, der aber nicht gebunden, sondern über einen kleinen Klettverschluss an der Schuhaußenseite befestigt wird.

Ist der Fuß zu schmal oder der Senkel zu lang, wird einfach nochmal neu am Ende geknotet, und schon passt das Ding. Meine Tochter war begeistert. Die Sohle ist nicht zu hart und nicht zu weich, lässt ihr viel Gefühl und gibt trotzdem Halt. Der Schuh hat kaum Vorspannung, ist symmetrisch und verzichtet ganz auf den Downturn.


Tolle weiche Ferse mit Innenfutter

Ordentlich verschnürter Schuh mit Halt in der Ferse, also musste die Große gleich mal den Fersenhook ausprobieren. Funktionierte ohne Probleme, war aber erstmal ungewohnt. Denn La Sportiva hat dem Stick It! einen weichen Gummi Belag verpasst, so dass das Kind ganz genau spürte, an welcher Stelle der Fuß aufliegt. Dank dem weichen Innenfutter an der Ferse war das aber nicht weiter schlimm.

Schmerzen bleiben bei dem Schuh komplett aus, die Zehen können, wenn der Schuh groß genug gekauft wird, auch gestreckt eingesetzt werden. Damit fördern die Boulderschuhe für Kinder mit der weichen Sohle die Entwicklung einer gesunden Fußmuskulatur, die viel Spannung aufbauen kann und diese auch hält. Mag Banane klingen, aber die meisten Kinder mit Plattfüßen, Senkfüßen und im Erwachsenenalter Hallus Valgus haben eben keine Muskulatur im Mittelfuß, weil sie die Füße einfach nicht genug benutzen. Bislang ist der der La Sportiva Stick It!* unser absoluter Liebling.