Skip to main content

Obermaterial Leder oder Synthetik? Welcher Boulderschuh kann mehr?

Boulderschuhe Leder oder Synthetik

Die einen wollen vegan, die anderen natürlich. Kostengünstig, schadstoffarm, umweltfreundlich, langlebig – die Ansprüche an Boulderschuhe sind hoch und nicht weniger ideologisch besetzt wie beim Essen und beim Duschgel. Hier also die Grundsatzdiskussion Boulderschuh aus Leder vs. Boulderschuh aus Synthetikfaser.

Gibt es so etwas wie ethisch korrekt? Beim Bouldern?

Ja und nein. Bouldern ist Outdoorsport, die Halle bietet nur die Möglichkeit, im Winter keine Muskulatur zu verlieren. Insofern setzte ich bei jedem boulderbegeisterten Menschen Verständnis für Natur und Lebensräume sowie einen verantwortungsbewussten Umgang damit voraus. Wie die europäischen Bouldergebiete aussehen straft dem Lügen. Chalk markiert die Felsen, Toilettenpapier liegt hinter jedem Busch, die Reste der Mahlzeiten liegen herum.

Leder, sollte man meinen, fällt bei der Schlachtung von Tieren zwecks Fleischgewinnung ohnehin an. Warum also nicht zu Sofas, Jacken und Boulderschuhen verarbeiten. Soweit korrekt. Es wird aber derzeit wie mehr Leder gebraucht als die Schlachttiere hergeben, was zu einem ethischen Problem werden kann. Mehr Fleisch essen ist nämlich nicht die Lösung. Außerdem fällt bei der Lederverarbeitung viel Dreck an. Die Gerberei ist ein schmutziges Handwerk, für billige Boulderschuhe wird natürlich nicht in Deutschland politisch und arbeitsrechtlich korrekt gegerbt, sondern in Billiglohnländern ohne Arbeits- und Umweltschutz.

Und der Kunststoff? Polyester, Polyurethan und die ganzen anderen Poly-Brüder sind auch nicht ganz sauber, was die Produktion angeht. Das Zeug lässt sich zwar theoretisch aus leeren Plastikflaschen und anderen Recyclingmaterialien gewinnen. Praktisch sind die recycelten Kunststoffe aber minderwertig und halten nicht viel aus. Ich konnte keinen Hersteller finden, der ausdrücklich Recyclingmaterialien für die Boulderschuhe verwendet.

Bleibt die Anwendung

An der Boulderwand und im Felsen haben sowohl Lederschuhe als auch Synthetikschuhe ihre Vor- und Nachteile. Der Lederschuh trägt sich besser, liegt gut auf der Haut, passt sich der Fußform perfekt an. Ist das Leder nicht gefärbt, können die Schuhe ohne gesundheitliche Bedenken barfuß getragen werden, Socken sind nicht nötig. Was wiederum der Feinfühligkeit beim Bouldern zugute kommt. Leider gibt es bislang kein Urteil von Stiftung Warentest oder Ökotest, welche Schuhe das wirklich erlauben.

Schuhe aus synthetischen Materialien färben manchmal ab. Wie aggressiv Fußschweiß ist und welche Chemikalien sich aus dem Schuh lösen und von der Haut aufgenommen werden können, weiß man nicht so genau. Also besser Socken tragen. Die andere Seite ist der Abrieb: Synthetikschuhe verlieren beim Kontakt mit Felsen Fasern. Das ist normal. Der Schuh ist dadurch weniger langlebig, und der Kunststoff landet in der Natur. Das ist ökologisch nicht korrekt.

Einen großen Vorteil haben die Plastiktreter dann aber doch: Sie sind oft wasserfest. Wer auf Deep Water Soloing oder ähnliche Albträume steht, der sollte aus Gründen der Haltbarkeit auf Leder verzichten und die dafür ausdrücklich geeigneten Synthetikschuhe der einschlägigen Hersteller wählen. Sonst löst sich der Boulderschuh schon beim ersten Absprung auf.

War der Beitrag hilfreich für dich?
[Total: 0 Average: 0]

Ähnliche Beiträge


Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *